Das grüne Gold: Der Avocado-Krieg

© Stepan Babanin

Ob als Brotaufstrich oder Gesichtscreme: Avocados sind begehrt wie nie. Dabei schädigt die Kultivierung der als Superfood gepriesenen grünen Frucht nicht nur die Anbaugebiete und deren Anwohner, sondern bringt auch kriminelle Banden auf den Plan. 

Die Avocado: Eine Superfrucht erobert die Welt

Noch vor einem Jahrzehnt fristete die wenig ansehnliche grüne Frucht ein Schattendasein in den Supermarkt-Regalen. Über die Jahre hat die grüne Frucht – botanisch gesehen eine einsamige Beere – jedoch in ihrem weltweiten Feldzug einen Platz auf den Tellern der Menschen erobert. Sei es in purer Form zum Auslöffeln, als Zutat in diversen Kochrezepten oder püriert und mit Kräutern vermischt als Guacamole-Dip. Beruft man sich auf »Statista«, ist die Importmenge von Avocados von 19.000 Tonnen im Jahr 2008, auf rund 94.000 Tonnen im Jahr 2018 gestiegen. Damit hat sich die Importmenge innerhalb von einem Jahrzehnt fast verfünffacht.

Die Geschichte der Avocado

Bereits die Azteken kultivierten die Frucht in Südamerika. Sie nannten sie zuzeiten »ahuacatl«, das direkt übersetzt »Hoden« bedeutet – was dem Aussehen der Frucht geschuldet sein dürfte. Wohingegen sie im englischen Raum aufgrund ihrer warzigen Haut den Namen »alligator pear«, also »Alligatorbirne« erhielt. Im Lauf der Zeit wurde die Avocado in weite Teile der Welt exportiert. Doch ein Verkaufsschlager war sie lange Zeit nicht. In den 1920er Jahren schlossen sich allerdings Händler zusammen, um gemeinsam auf breiter Front die Frucht anzupreisen. Der Hype um die Avocado begann in den Vereinigten Staaten. Galt sie unter den Fitnessjüngern der 1980er Jahre noch als fett und ungesund, gelang es kalifornischen Landwirten, das Image der Frucht hin zur Gourmet-Beilage zu wandeln.

Heute erklären Ernährungsexperten die Avocado als besonders gesund an. Von ungesättigten Fettsäuren ist da die Rede, von einer Menge Vitamine und Mineralstoffe und einer erfreulichen Abwesenheit von Kohlenhydraten.

Massenhaft Avocados zum Super Bowl

In den USA werden die meisten Avocados am Super-Bowl-Wochenende verzehrt. Grund für die hohe Nachfrage ist die traditionell zum Finale zubereitete Avocado-Creme »Guacamole«. In vielen Haushalten der USA ist es inzwischen selbstverständlich, dass während des Super Bowls eine Schüssel Guacamole und Mais-Chips auf dem Tisch stehen. Mexiko, der Hauptproduzent der Avocado, freut sich über diesen Trend und befeuert ihn. »Ohne Guacamole kein Super Bowl«, schrieb der mexikanische Landwirtschaftsminister José Calzada auf Twitter.

Ein Boom mit Schattenseiten

In Mexiko werden mehr Avocados produziert als irgendwo sonst in der Welt. Das »grüne Gold« nennen sie es hier. Durch mildes Klima und die vulkanischen Böden kann hier mehrmals im Jahr geerntet werden – somit ein entscheidender Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Die Umsatzzahlen mit dem »grünen Gold« sind enorm, sodass es kaum verwunderlich ist, dass auch die mexikanischen Drogenkartelle ihre Finger im Spiel haben. Im Bundesstaat Michoacán, wo ein Großteil der Avocado-Ernte eingefahren wird, müssen Bauern Schutzgeld und Steuern an brutal agierende Gangs zahlen. Kriminelle terrorisieren ganze Kleinstädte, deren Einwohner sich mit bewaffneten Bürgerpatrouillen zu helfen versuchen.

Weiterer Verlierer des großen Avocado-Hungers ist die mexikanische Umwelt. Vor allem Kiefernwälder, die eine wichtige ökologische Funktion für andere Pflanzen und Tiere erfüllen, werden für die Plantagen sukzessiv abgeholzt. All diese Hintergründe führten dazu, dass sich mit dem Sterne-Koch JP McMahon jetzt ein prominenter Vertreter seiner Zunft gegen die Verwendung der Trendfurcht in Restaurants ausgesprochen hat. Avocados seien »die Blutdiamanten Mexikos«.

Dass McMahon mit dieser Haltung nicht alleine steht, zeigte auch ein englisches Café, das in einem kontrovers diskutierten Instagram-Post verkündete, keine Avocados mehr zu verwenden.

 

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Dear customers, we have some news for you. As of today, we will no longer be serving avocado in the yurt. This.is.not.a.joke. 🥑 Controversial? Absolutely…We’re as acquainted as the next person to our weekly intake of smashed avocado toast but this is something we have thought long and hard about. Let us explain… 🥑🥑 1. Seasonality. Locally sourced ingredients have been woven into our identity from day one. Whether it’s our home grown courgettes, apples or pumpkins, our menu flexes with the seasons as we let the produce of the Chilterns and surrounding areas inspire and inform our recipes. All our meat is sourced within 25 miles, we use local yoghurt, eggs, Chiltern rapeseed oil, to name but a few. There will always be exceptions, we do not claim never to use a pinch of an Indian spice, a drizzle of Italian olive oil, or a crumble of Greek feta. These are all beautiful things and arguably there is not a local alternative, nor would we want one. Our cooking is inspired by many of the cuisines of the world and it would be contrite to think it should be any other way. However, the sheer quantity in which avos were being consumed was making us feel uneasy as they were so at odds with our local ethos. We believe in this and want to truly practise what we preach. 🥑🥑🥑 2. Food miles. it doesn’t take a genius to work out that food tastes better when it hasn’t been flown 5000 miles. But more importantly, at a time when climate change concerns have never been more real, transporting ingredients in fuel guzzling planes from Central and South America, Africa and beyond just to satisfy our whim for the latest food trend, when we have a plentiful supply of perfectly delicious, nutritious food on our doorstep is just plain wrong. 🥑🥑🥑🥑 3. Sustainability. The Western world’s obsession with avocado has been placing unprecedented demand on avocado farmers, pushing up prices to the point where there are even reports of Mexican drug cartels controlling lucrative exports. Forests are being thinned out to make way for avocado plantations. Intensive farming on this scale contributes to greenhouse emmisions by its very nature & places pressure on local water supplies.

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TOP 5 Länder nach Avocado-Produktion in Tonnen

  • Mit 1.889.354 Tonnen, ist Mexiko der weltweit größte Avocado-Produzent der Welt.
  • Deutschland hat keine Avocado-Produktion.

Leider ist der Hype um das Superfood noch lange nicht vorbei. Erst kürzlich wurde in Nürnberg zum Beispiel ein Restaurant eröffnet, das ausschließlich Avocado-Gerichte serviert. Daher sollten wir die Avocado wieder als das sehen, was sie eigentlich einmal war: Ein Luxusgut.

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