Grüne Architektur – die Zukunft der Großstädte?

© Daryan Shamkhali

Immer mehr Menschen leben in Großstädten, in denen es bedingt durch den Klimawandel heißer wird und Feinstaub die Luft belastet. Darauf antworten Architekten mit neuen Formen, Gebäude zu begrünen – die grüne Architektur.

Der Hitze-Insel-Effekt

Während heute 55 Prozent der 7,75 Milliarden Erdenbürger in der Stadt leben, werden es im Jahr 2050 voraussichtlich zwei Drittel (68 Prozent) sein. Aber nicht nur die Überbevölkerung stellt die Zukunft vor einer großen Herausforderung: Ballungsräume heizen sich stärker auf als die sie umgebenden ländlichen Regionen. Durch die dichte Bebauung wird ein sogenannter »Hitze-Insel-Effekt« verursacht, mit der Konsequenz, dass die Luft kaum zirkulieren kann. Oberflächen wie Glas reflektieren das Sonnenlicht und Beton- und Asphaltflächen speichern die Wärme. Gegen diese Aufheizung könnte eine neue Stadtplanung mit größeren Grünflächen helfen. Hier listen wir Dir vier nachhaltige Gebäudekomplexe auf, die zu vielen Problemen auf der Welt, Lösungen parat haben.

Bosco Verticale (Mailand)

© Daryan Shamkhali

Die Luftverschmutzung zählt zu einem der größten Gesundheitsrisikos, dem die Welt heute ausgeliefert ist. Green Designer und Ökoingenieure weltweit versuchen, die Verschmutzung mit allen Arten von Lösungen zu stoppen. Eine der Kreativsten ist die von Boeri Studio: Der Architekt Stefano Boeri hat  einen futuristischen Wolkenkratzer entworfen, um die Luftverschmutzung in der Stadt Mailand zu absorbieren, die Artenvielfalt zu steigern und sauberen Sauerstoff zu produzieren. Diese Zwillingstürme mit dem Namen »Bosco Verticale« sind Teil der Sanierung des historischen Viertels von Mailand. Das Hochhaus erhielt seinen Spitznamen (übersetzt als »Vertikaler Wald«), weil jeder Turm Bäume zwischen drei und sechs Metern beherbergt, die dazu beitragen, Smog zu mildern und Sauerstoff zu produzieren. Die zwei Türme beherbergen über 100 Wohnungen.

Die rund 20.000 Bäume und Pflanzen des Turmpaares können jährlich etwa 25 Tonnen Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln und schützen vor Kälte, Hitze & Lärm von außen.

Jellyfish Barge (Mailand)

© Matteo de Mayda | www.matteodemayda.com

Die Weltgemeinschaft steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Bis 2050 wird die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln voraussichtlich um 60-70% steigen. Alleine in den nächsten vier Jahrzehnten soll die Weltbevölkerung auf fast zehn Milliarden Menschen wachsen. Als Cristiana Favretto und Antonio Giraridi von Studiomobile diese Prognose hörten, entwickelten Sie mit Hilfe von Pnat folgende architektonische Leistung: Das Gewächshausboot, aka Jellyfish Barge, ermöglicht den Anbau von Pflanzen und ist nicht auf Boden, Süßwasser und jeglichen chemischen Energieverbrauch angewiesen.

© Matteo de Mayda | www.matteodemayda.com

Dank eigenem Entsalzungssystem reinigt das schwimmende Gewächshaus Salz, Brackwasser oder verschmutztes Wasser mit Sonnenenergie. Es besteht aus einem Holzboden von ca. 70 Quadratmetern, der auf recycelten Kunststofftrommeln schwimmt und ein Glasgewächshaus für den Pflanzenbau trägt. Bis zu 150 Liter sauberes Süßwasser kann das Modul pro Tag aus Salz, Brackwasser oder verschmutztem Wasser produzieren.

Shilda winery (Kachetien, Georgien)

© Michael Archviz

X-Architecture ist ein britisches Unternehmen. Sie haben in Kachetien ein außergewöhnliches Weingut namens Shilda gebaut. Das Gebäude ist buchstäblich in die Landschaft der Weinberge eingebettet, so dass es aus der Vogelperspektive kaum wahrnehmbar ist. Der Hauptteil der Fassade ist nach Norden ausgerichtet, um direkten Sonnengewinn zu vermeiden und Energieverschwendung zu reduzieren. Das Gebäude nutzt die thermische Masse des Bodens, um die Innentemperatur zu mildern, in der der Wein gelagert, serviert und verkostet wird.

Corallo House (Guatemala)

© Andrés Asturias

Wie kann man ein Gebäude harmonisch mit der Natur verbinden? Die Antwort liefert das »Corallo House«, das von PAZ Arquitectura entworfen wurde. Das Haus befindet sich in einem dichten Hangwald im Stadtteil Santa Rosalía in Guatemala  und integriert den Wald in die Gestaltung des Hauses. Es erstreckt sich über 747 Quadratmeter und verwendet ein hitzeabweisendes Betonfundament.

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