Ruanda – das Land der Frauen

Ruanda – das Land der Frauen

© Jackson David

Noch heute stehen oftmals Frauen schlechter da als Männer: Doch ausgerechnet das autoritär regierte Ruanda nimmt in Gleichberechtigungsfragen eine Vorreiterrolle ein.

Das Land der Frauen

Noch vor über zwanzig Jahren durften Frauen in Ruanda nicht einmal Grund und Boden besitzen. Und heute sind in der ostafrikanischen Gemeinschaft über 60 Prozent aller Parlamentarier weiblich. Wie es zu dieser Entwicklung kam, erfährst Du hier:

TOP 10: Frauenanteil in ausgewählten nationalen Parlamenten (1. Kammer) zum 01. Dezember 2018

© Statista 2020

In Subsahara-Afrika sind mehr Frauen in leitenden Verwaltungspositionen als in jeder anderen Region. Zum Vergleich: Deutschland liegt mit 30,7% auf Platz 29

Emanzipation mit tragischem Hintergrund

Dies ist eine Erfolgsgeschichte. Sie handelt von Ruandas Frauen, von ihrer rasanten Entwicklung, ihrer Befreiung. Doch so verheißungsvoll die Geschichte heute klingt, so grauenvoll ist ihr Anfang. Dass Frauen heute die Mehrheit der politischen Klasse Ruandas darstellen, ist eine direkte Folge eines Völkermords: 1994 hat sich in dem kleinen zentralafrikanischen Land Ruanda ein Völkermord abgespielt, dem mindestens 500.000 Tutsis zum Opfer fielen. Der Völkermord war damals von der damaligen Hutu-Regierung präzise geplant. Drei Monate lang zogen Hutu-Milizen ausgestattet mit Namenslisten durch die Straßen und töteten in erster Linien Männer ohne Erbarmen. Am 19. Juli 1994 marschierte der heutige Präsident Paul Kagame mit seiner Tutsi-Armee in der Hauptstadt Kigali ein und beendete das Massaker.

Selbst ist die Frau

Man wagt es kaum auszusprechen, aber der Genozid löste auch eine positive Entwicklung aus: die Emanzipation der Frauen in Ruanda. Man schätzt, dass 70 Prozent der Überlebenden Frauen waren. Aus diesem Grund war Emanzipation für alle Frauen geradezu überlebensnotwendig. Als Konsequenz übernahmen die Ruanderinnen sämtliche Aufgaben: Sie bauten Wohnstätte auf, gründeten Unternehmen und kümmerten sich um die hinterbliebenen Kinder.

Emanzipation mit tragischem Hintergrund

2003, neun Jahre nach dem Völkermord, beschloss das Land eine neue Verfassung, nach der Männer und Frauen von nun an gleichgestellt waren. Seien es Angelegenheiten in der Politik, Bildung, Landwirtschaft, oder Equal Pay.

»Das Land der tausend Hügel«, so nennt man Ruanda heute. Auf diesen Hügeln wachsen Tee und Kaffee, die Ruanda exportiert. Die Wirtschaft wächst seit Jahren, die Korruptionsrate ist niedrig und der Anteil der Menschen mit Uni-Abschluss hoch. Ruanda, eine Erfolgsgeschichte, eine, die Frauen schrieben.

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